Über meine Mispeln (Mespilus germanica L.)
Autor : Helmut Leithner
Mein ausgedehnter Obstgarten liegt in 650 m Seehöhe in einer waldreichen Gegend in Österreich. Seit 40 Jahren pflanze und veredle ich überwiegend seltenere Varietäten. Ich dünge nicht, spritze nicht und schneide nicht. Ernten tue ich trotzdem genug.
Von der Gattung Mespilus germanica habe ich ein Dutzend Exemplare. Die eine Sorte ist äußerst selten : die ‚Kernlose Mispel’ (var. apyrena) mit sehr kleinen Früchten. Sie ist seit dem Mittelalter bekannt. Die zweite Sorte ist die ‚Nottingham’— in England von R. Hogg gegen 1830 selektiert. Sie wird wegen der guten Qualität ihrer mittelgroßen Frucht geschätzt.
Hier sind einige meiner Erfahrungen.
Ich ziehe Mispelbäumchen den Sträuchern vor. Alle habe ich auf Weißdorn (Crataegus monogyna) in 160…170 cm durch
Kopulation veredelt. Warum?
... Mir gefällt die glatte graue Rinde
des Weißdorns besser als die der Mispel.
... Ich brauche im Sommer keine Angst vor unseren gefräßigen Schafen zu haben und muss im Winter keinen
Wildschaden durch Rehe befürchten.
... Ein alter Mann (jetzt 76) bückt sich nicht
gerne.
Der „Kleine Maxi“ hätte weiter denken sollen. Das schöne herbstliche Blattwerk bleibt bei Mispeln recht lange auf dem Baum. Meistens bis auch die Früchte reif sind. Allzu oft gibt es aber einen frühen Wintereinbruch. Wenn dann so ein armer Baum 3fache Last tragen muss (Laub + 40 kg Frucht + Schnee), dann ist er so gut wie zum Tode verurteilt. Vor allem wenn auch noch Wind aufkommt.
So habe ich in den vergangenen 30 Jahren mehrere Mispelbäume verloren. Alle brachen genau an der Veredelungsstelle ab oder unterhalb davon. Wenn der Bruch nicht vollständig war, ließ ich etliche bizarre Krüppel weiter wachsen und Frucht tragen. Jetzt mache ich nur noch bodennahe Veredelungen.
Um den Reifungsprozesses der Mispeln brauche ich mich nicht zu kümmern. Den überwachen einige 100.000 emsige Mädchen aus meinen Ameisenvölkern. Sie spüren die ersten weichen Früchte unweigerlich auf. Ich sehe nur kurz nach, ob eine „Völkerwanderung“ den Stamm entlang zur Futterstelle eingesetzt hat. 14 Tage später rücke ich zur Ernte an.
Was die ‚Kernlosen’(‚Apyrena’) betrifft : mit einem Durchschnittsgewicht von 4 g sind sie die reinsten Zwerge gegen 30 g bei der Sorte ‚Nottingham’. Die Ernte ist minimal, der Geschmack vorzüglich. Aber darüber kann man ja bekanntlich streiten.
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